6/11 Familientreffen – Müggelsee, So, 6. September 2015

So gut wie zuhause in unserem alten Mahagoni-Bett hatte ich schon lange nicht mehr geschlafen.

Brigitte schreckt hoch: „Ole, es ist schon 11.00 Uhr. Die Kinder kommen doch schon um 12.00 Uhr.

Als wir das Haus gebaut haben, waren wir von Anfang an in einer Sache einig: Wir wollten kein Hauspersonal haben.
Daran würden wir uns nicht mehr gewöhnen. Der einzige Ausweg war die totale Hausautomatisation.
Wir bekommen von den FINDERS Labs jegliche Unterstützung. Im Gegenzug fühlen wir uns aber manchmal ein wenig wie Versuchskaninchen.

Brigitte geht an einen der großen Kühlschränke, die in der Küche an der Wand zur Straße stehen. Sie hatte letzte Woche beim Lieferanten für heute ein Frühstück für 4 Personen bestellt. Die Kühlschränke verfügen über eine Beschickungsklappe von außen. Hierfür hat unser Lieferant einen Schlüssel.
Alles muss durch die 20 cm hohe und 50 cm breite Öffnung passen.
Die Lebensmittel sind mit RFID Etiketten versehen, so dass der Kühlschrank genau weiß, welche Inhalte verfügbar sind.

Daneben gibt es einen Warmhalteschrank, der ebenfalls mit RFOD Etiketten und einer Beschickungsklappe von außen versehen ist.

Brigitte holt 4 große Kühlhalteboxen aus dem Kühlschrank und 4 Warmhalte-boxen aus dem Warmhalteschrank.
Er gibt frische Brötchen und frischen Aufschnitt. Für Müsli wurde geschnittenes Obst und frische Milch zur Verfügung gestellt. Für Max gibt es gemäß Profil ein Croissant. Eier mit Speck sind für die Mikrowelle vorbereitet.

Brigitte sieht auf dem Kühlschankdisplay den Lieferzeitpunkt nach: Heute 11.15 Uhr.
„Na, seit dem die Bäcker in die Lieferlogistik eingebunden sind, klappt das ja mit der frischen Ware.“, meint sie zufrieden.

Um kurz nach 12.00 Uhr ist die Eingangstür zu hören. Es erklingt Bass Jazz. Gleichzeitig fängt der Getränkeautomat an zu arbeiten.
Er schiebt drei Tassen und ein Glas, komplett mit Unterteller und Löffel und einer Beschriftung heraus. Man hört im Inneren das Klacken, wenn eine Kapsel gewechselt wird.

Ein grüner Tee für Brigitte, ein Cappuccino für mich, ein Latte macchiato für Maya und ein Espresso für Max.

Maya und Max sind zusammen gekommen.
Alle umarmen sich überschwänglich.

„Man bist du braun, Papa“, Maya gibt mir einen dicken Kuss.

„Na, hattet ihr gestern wieder euren Meeresabend“, fragt Max und schnuppert in die Luft.

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6/11 Die Heimkehrer – Berlin, Müggelsee, Sa, 5. September 2015

Ich bin müde vom langen Flug. Mit 58 Jahren steckt man das nicht mehr ganz so leicht weg.

Ich öffne die große hölzerne Flügeltür, die bis zur Decke des Erdgeschosses geht, mit der Schlüsselseite meiner Achtcard. Noch immer habe ich mich an das schöne Haus am Müggelseedamm nicht richtig gewöhnt.

Meine Frau Brigitte und ich waren zusammen mit FINDERS Anfang 2013 nach Berlin umgezogen und sesshaft geworden.

Intern stand bereits Mitte 2011 der Umzug von FINDERS nach Berlin fest. Der Umbau vom Flughafen Tempelhof als FINDERS Konzernzentrale bis Januar 2013 war äußerst ambitioniert gewesen. Aber es hatte geklappt, weil es einfach klappen musste. Der Standort Friedrichshafen platzte aus allen Nähten.

Man sollte also meinen, es wäre kein Problem gewesen, ein Einfamilienhaus in der gleichen Zeit zu bauen. Doch dieses Haus war eine ernste Belastungsprobe für unsere Beziehung. Ich hatte Mitte 2012 meinen Kindern Maya und Max die Kategorienagentur für den Bereich Schuhe überlassen, weil ich mich ganz um das Haus kümmern wollte. Auch wurde ich ständig bedrängt, ein Buch zu 7/11 zu schreiben.

Brigitte pochte auf ihr Recht, endlich gesellschaftlich so eingebunden zu sein, wie es die vielen Jahre auf dem Schiff nicht möglich gewesen war.

Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann hatte ich das ständige Unterwegssein, wenn auch mit dem ganzen Zuhause, zuletzt auch ziemlich satt. Wir haben im letzten Jahr auf dem Schiff den Liegeplatz fast nicht mehr gewechselt.

Relativ einfach war es, mit unserem doch inzwischen beträchtlichen Vermögen ein Grundstück am See und gleichzeitig zentral in Berlin zu kaufen.
Das Grundstück liegt auf dem Hügel über dem Müggelsee und reicht den ganzen Hang herunter bis zu einem eigenen Anleger.

Über zwei Monate waren wir mit unserem alten 33 Meter langen Kohleschiff von Frankreich über Mosel, Rhein, Dortmund-Ems-Kanal, Mittellandkanal, Elbe-Seitenkanal unterwegs, bevor wir vor unserem Grundstück am Müggelsee Anker warfen. Das alles ging natürlich nicht ohne Einfluss und Sondergenehmigungen. Auch beschwerten sich die wohlhabenden Nachbarn beim Ordnungsamt, über den die Aussicht nicht verschönernden alten Kahn.
Doch als sie erfuhren, wer da vor Anker gegangen war, änderte sich die Stimmung schlagartig.
Ich wurde als Urgestein von FINDERS ständig gedrängt, Interviews zu geben. Inzwischen war ich ein regelmäßiger Kommentator zur durch 7/11 ausgelösten „englischen Krise“, die noch viele Jahre Einfluss auf die Weltwirtschaft haben würde.

Der alte Kahn wurde schließlich zu unserem Leidwesen zur Touristenattraktion. Mit dem ruhigen Bootsleben war es vorbei.
Doch Brigitte lebte auf. Sie wurde von den Nachbarn mit offenen Armen empfangen. Nach und nach wurde sie in die Berliner Oberschicht eingeführt.

Das alles setzte uns zusätzlich unter Druck, das Haus fertig zu stellen. Nach einigem hin und her einigten wir uns auf einen in Berlin gerade angesagten Ar-chitekten. Wir hatten überhaupt keine Ahnung, was es bedeutet, ein Haus zu bauen. Das einzige was für uns feststand, es sollte Sonnenkollektoren haben und möglichst energiesparend gebaut sein. Außerdem hatte ich mich mit Brigitte geeinigt, dass es ein repräsentativer Bau werden sollte, in dem sie nach Belieben Gesellschaften geben könnte.

Der Architekt hat uns überzeugt, dass wir in einer Renaissance von ‚Mies van der Rohe’ leben würden und uns ein Haus mit viel Glas vorgeschlagen.
Die Fassade zur Straße sollte weitgehend geschlossen sein. Hier wurden in beiden Geschossen in Sichthöhe 40cm hohe Fensterschlitze geplant.
Dafür sollte die Seeseite aus einer sich über zwei Etagen erstreckenden Glaswand bestehen.

Die Schlafzimmer waren in der Planung im ersten Stock auf einer Galerie nur seitlich voneinander mit Wänden getrennt, nach vorne über dem Wohnzimmer aber nur mit einem Glasgeländer gesichert, ansonsten offen. Als dann der Rohbau fertig war, überkam mich das Grauen, in diesem offenen Museum leben und mich ausstellen zu müssen.

Sicher, das Haus würde repräsentativ, aber wie sollte ich mich zurückziehen, wenn ich an einer der zahlreichen Gesellschaften von Brigitte nicht teilnehmen wollte?

Ich versuchte, Brigitte klar zu machen, dass das Leben, was wir hierin führen würden, das glatte Gegenteil von dem Leben auf einem umgebauten Kohlefrachter mit einem dunklen nur über Bullaugen und Oberlichter erschlossenen Schlafzimmer sei.

Brigitte wurde richtig böse, dass ich ihr noch immer keine Gesellschaft gönnen wollte und auf mein altes Leben bestände. Doch das war nicht der Punkt.

Nun setzte ich mich mit ‚Mies van der Rohe’ auseinander und stolperte über einen Film, welcher in einem kleinen Szenekino lief. Er hieß ‚Haus Tugendhat’. Es war ein Dokumentarfilm über die jüdische Familie Tugendhat, die von den Nazis enteignet worden war und nun um die Zukunft des von ‚Mies van der Rohe’ gebauten Mutterhauses kämpften.
Haus Tugendtat gibt es auch heute noch. Viele Zeitzeugen wurden in dem Film befragt. Alle waren sich einig, es handelte sich um eine ganz besondere erhebende Atmosphäre, in diesem Haus zu sein.

Was mich allerdings stutzig machte, wie die Familienmitglieder Tugendhat in ihrem aktuellen Zuhause gefilmt wurden. Über Geschmack kann man streiten, aber alle leben in einer heimeligen Atmosphäre mit kleinen Zimmern und zugehängten Fenstern, eben dem genauen Gegenteil zu dem durch schlichte klare Linien geprägten minimalistischem Mutterhaus.

‚Kann man in einem solchen Haus wirklich leben und sich wohlfühlen?’, ich beschloss, seit langer Zeit das erste Mal, gegen Brigitte den Aufstand zu proben.

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6/11 Die Verräterin – Berlin, Müggelsee, Fr, 10. Juli 2015

Lissi fährt in einem Mietwagen auf dem Müggelseedamm vorbei an den teuren Villen mit Seeblick. Wie zufällig bleibt sie an einer modernen Villa stehen. Sie überlegt einen Moment.

Zwei Jungs spielen Fußball auf der Wiese. Sie hebt eine Karte hoch, als ob sie nach dem Weg fragen will. Eine etwas altmodische Geste im Zeitalter der Navigationssysteme, aber die Jungs kommen neugierig zu der schönen Frau mit tiefschwarzen Haaren und einer großen Sonnenbrille herangetrottet.

„Do you know Mr. Frederichs?“, fragt sie.

Beide nicken und sind stolz in Englisch „Yes, this house“, sagen zu können und zeigen auf die 50 Meter entfernte Villa.

„Can you put this in the post box and this is for you?“ Lissi holt einen 50,-€ Schein heraus und hält ihn mit einem dicken Umschlag hin.

„No problem“ lachen beide über das leicht verdiente Geld und kommen sich ein wenig wie Geheimagenten vor, als sie den Umschlag in den Briefkasten werfen.

Lissi Bintang beobachtet, ob sie den Brief auch wirklich eingeworfen haben, dann fährt sie weiter.
Ihr Herz rast. Lissi hat Todesangst. Hoffentlich hat keiner sie bemerkt. Selbst wenn ihr Wagen per GPS überwacht werden sollte, sollte niemand Verdacht schöpfen.

Schließlich ist es ein wunderschöner Tag. Sie hat sich in eine Häuserlücke gestellt, die einen atemberaubenden Blick über den Müggelsee frei gibt. Heute sind viele Segler und Motorboote unterwegs, Grund genug, um anzuhalten und die Aussicht zu genießen.

Sie hat es nicht mehr weit, bis zum Seebad Friedrichshagen.

Hier ist Lissi mit Mike verabredet.
Mike kennt sie noch aus ihrer Zeit bei Gooday. 2009 hatten sie so etwas wie eine offene Beziehung. Aber irgendwie hat es nicht richtig funktioniert.

Nach 7/11 hatten sie sich aus den Augen verloren. Lissi hatte bei Gooday schnell Karriere gemacht und natürlich gab es immer wieder Berührungspunkte mit der NSA. Sie hatte es bei Gooday bis zur Entwicklungsleiterin der Bilanzsuchmaschine gebracht. Gemäß PATRIOT Act hatten sie bestimmte Analyseprogramme für die NSA eingebaut.

Als Lissi gerade davor stand, ein lukratives Angebot aus China anzunehmen, bekam sie Post direkt von Conor O´Briain. Der wusste damals schon, dass er als NSA Chef zurücktreten würde.

Er machte ihr ein Angebot, zu dem sie nicht nein sagen konnte. Er meinte, es sei noch vertraulich, aber er würde Berater eines internationalen Konzerns werden und bräuchte eine hervorragende Assistentin, welche ihm den Rücken frei hielte und sie hätte die entsprechenden Qualifikationen.

Zwar lief es Lissi einen Moment kalt den Rücken herunter, bei der Vorstellung, wieso er so viel von ihr wusste und keinerlei Bewerbungsunterlagen sehen wollte, aber nun ja, er war eben der Chef der NSA und hatte sicher auch mit Frankowitz, ihrem Chef bei Gooday gesprochen.
Was Lissi am meisten reizte, war, dass sie viel reisen würde, meist in einem Privatjet, um die ganze Welt.

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6/11 3. Akt – Nrheinstadt, Mit, 24. September 2014

Volker kommt am nächsten Morgen absolut unausgeschlafen ins Büro. Gestern war er noch ein erfolgreicher Freiberufler und heute weiß er absolut nicht, wie es weiter gehen soll.

Dies ist nicht mehr seine Firma. Er hat sie einem Rechtsanwalt überlassen, den er nicht kennt. Er hat den schnellsten Weg gewählt. Warum hat er sich nicht erst mit anderen beraten?
Er ruft seinen Steuerberater an und vereinbart einen Termin für 10.00 Uhr.

Es ist so seltsam still im Büro. Volker geht in den Serverraum. Alle vier Server sind heruntergefahren. Nur die Gebläse der Firewalls und des Rechnerschranks sind zu hören.

Die Server sind vollkommen redundant. Das heißt, es gibt 2 Netzteile, 2 Fest-platten, 2 Lüfter, 2 Prozessoren. Wenn ein System ausfällt, dann übernimmt das Ersatzsystem.
Zusätzlich wird jede Nacht von den Hauptservern ein Backup zu den Backupservern übertragen.

Volker versucht den ersten Server zu starten.
Der Rechner fährt nicht hoch.
Er geht zum zweiten Server.
Der Rechner startet nicht.
Genauso wenig die anderen beiden Server. Die Hotplug – Festplatten zeigen mit ihrer LED an, dass sie funktionsfähig sind. Auch hat Volker über die Überwachungssoftware keinerlei Fehlermeldenachricht erhalten.

Volker ruft den Hardwaresupport an. Der Techniker kommt innerhalb von zwei Stunden und bringt einer Ersatzrechner mit.
Schließlich stellt der Techniker fest, alle 4 Server sind aus Sicht der Hardware voll funktionsfähig. Aber die Betriebssysteme und die Daten sind vollständig gelöscht.

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6/11 ‚Sychost.exe’ – August bis September 2014

Ich bin ‚sychost.exe’. Ich wurde von meinem Schöpfer für eine bestimmte Aufgabe designed.
Würde man sich mit mir beschäftigen, würde man mich mit meinem bekannten Vetter ‚svchost.exe’ verwechseln. Den findet man in jedem Windows Programm. Ja der ist wirklich berühmt.

Ich bin eine Datei. Ich habe keine Gefühle. Mich interessiert nicht, ob jemand berühmt oder wichtig ist, und ich weiß nicht, was es bedeutet, stolz zu sein, auf das, was man tut.

Vor allem aber kenne ich keine Ungeduld. Ich kann 100 Jahre warten, bis genau das passiert, wofür ich programmiert wurde.

Selbst wenn ich mit den Menschen reden könnte, sie würden mich nicht verstehen. Menschen können sich einfach nicht vorstellen, was so eine Datei ausrichten kann und was nicht.

Geboren bin ich in Indien. Meine Eltern sind viele einzelne Programmkomponenten, aus denen mich ein Inder in wenigen Stunden zusammengebaut hat, einmalig, nur für einen Zweck.

Von Indien wurde ich nach Kanada verschickt. Hier wurde ich in eine kleine Javadatei versteckt, die in eine Anzeige eingebunden wurde. Da war mein Name noch geheim.

Dann geschah am 8. August 2014 das, wofür ich programmiert war. Die IP-Adresse, auf die ich gewartet hatte, wurde in dem Traceprogramm der Anzeige erkannt. Dadurch wurde mein Download gestartet.

An dem Virenscanner kam ich problemlos vorbei, da mein Muster genau dem meines Bruders ‚svchost.exe’ entsprach. Auch hatte ich mir zur Tarnung dessen Namen zugelegt.

Ein heikler Moment war die Zeit im Arbeitsspeicher, bevor ich mich auf der Festplatte festsetzen konnte. Ich musste die Registrierungsdatenbank von Windows aufrufen und hier ‚sychost.exe’ einzutragen.
Hierzu startete ich ein Täuschungsmanöver. Ich spaltete von mir zwei Dateien mit einem eindeutigen Malwaremuster ab. Das Virenschutzprogramm stürzte sich darauf, was zu einer 100% Auslastung des Rechners führte.

In dem Moment, als die Auslastung kurz auf 89% zurückging, speicherte ich mich im Dienste Verzeichnis des Windows Rechners mit einem alten Datum.
Nun war ich offiziell in Windows eingebürgert mit allen Rechten eines echten Windowsdienstes und ich konnte auf alles zugreifen, was für meine Operation nötig war.

Über die Updatefunktion von Windows fragte ich ein Update an.

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6/11 2. Akt – Nrheinstadt, Di, 23. September 2014

Um 7.00 Uhr steht Volker leise auf. Er fährt, ohne zu Frühstücken, direkt zu seinem Büro.

Als erstes geht Volker in das Gestaltungstool seiner Homepage und löscht die Links. „Heute wird alles besser, denkt er.“

Als nächstes öffnet er ein R-Fax von seinem Reputationsrobot. Der durchforstet regelmäßig das Internet nach neuen Einträgen zu seinem Namen.

Zwei neue Einträge wurden gefunden.

Beim ersten Eintrag drehen sich bei Volker schon die Pfannkuchen von gestern im Magen rum.
‚War der anerkannte Datensicherheitsexperte Volker Siemens an großer niederländischer Malwareaktion beteiligt?’
Der Artikel zitiert wesentliche Stellen der Anklageschrift der niederländischen Staatsanwaltschaft, die tatsächlich Volker Siemens als möglichen Zeugen benannt hat.

Der zweite Eintrag weist auf die Referenzliste in www.vsiemens-tc.com hin.

Volker geht nicht über FINDERS sondern gibt direkt in der Suchmaschine „Volker Siemens“ ein und findet auf den ersten Plätzen beide neuen vom Reputationsrobot gefundenen Einträge.

Volker recherchiert im Internet und chatted mit einigen Kollegen. Aber keiner hat eine Idee, wie er eine Seite, welche einer chinesischen Firma gehört, löschen soll.

Um 8.00 Uhr kommt Gertrude rein und grüßt kurz. Sie sieht das Fax, liest es und schüttelt heftig mit dem Kopf.
Sie vergisst sogar, ihn nach seinem morgendlichen Kaffee zu fragen.

Volker geht zu ihr. „Können Sie bitte eine Liste der Außenstände machen?“

„Mit Nrheinstadt sind das 56.000,- €“, sagt Gertrude, froh, dass sie mitgedacht hat.

„Können Sie da mal nachtelefonieren?“

Gertrude setzt sich sofort ans Telefon.
Ein wesentlicher Grund, warum Volker sie trotz ihres Alters eingestellt hatte, war, dass es ihr nichts ausmacht, Außenstände einzutreiben.
Volker war immer froh gewesen, sich hierum nicht selbst kümmern zu müssen.

Aber in den letzten Monaten hatte der Laden so gebrummt, dass auch Gertrude für die Anrufe keine Zeit hatte.

Gertrude macht einige Anrufe bei mehreren Firmen.

Es ist wie verhext. Immer ist der Verantwortliche nicht zu sprechen. Mal ist er nicht am Platz oder im Termin. Frustriert gibt Gertrude auf.

Dann ruft doch einer auf der Direktwahl von Volker zurück. Es ist ein alter Schulfreund von Volker.

„Hi Volker, du hast ja eine hartnäckige Schuldeneintreiberin. Aber ehrlich, ich bekomme eine Menge Ärger, wenn ich jetzt bezahle.“

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6/11 Livepoint – Nrheinstadt, Mo, 22. September 2014

Zufrieden kommt Volker Siemens in sein Büro.

Seine Sekretärin Gertrude ist schon da und lächelt ihn an: „Kaffee? Welche Farbe heute?“

„Lila mit dem intensiven Aroma und heute bitte einen Latte.“

Gertrude ist genau wie ihr Name ein wenig altmodisch und um viele Jahre älter als er, aber 100% zuverlässig.

Wie immer montags geht Volker nicht direkt ins Büro, sondern erst in den klei-nen Serverraum neben dem Sekretariat.

Volker ist an einem EU Forschungsprojekt beteiligt, in dem auch sein Patent getestet wird. Alle Partner wählen jeden Tag die Route aus, über welche Internetserver Volkers Rechner mit den Partnerrechnern verbunden sein soll.

Eine weitere Gruppe testet Möglichkeiten, vorherzubestimmen, über welche Routen die Server verbunden sein werden und versuchen im Penetrationstest die Server anzugreifen.

Volker hat einem ungarischen Unternehmen die Programmierung der Routenauswahlsoftware in Auftrag gegeben.

Nach nur zwei Monaten war eine erste Version fertig. Letzte Woche hat Volker die Software getestet und war von der grafischen Umsetzung und Usability ziemlich beeindruckt.

Natürlich wird sein Server mit modernster Technik geschützt. Die Server der anderen Projektpartner und ein ausgesuchter Kreis von Personen haben nur Zugriff, wenn sie einen von Volker personalisierten VPN-Client erhalten haben, also ein kleines Programm mit persönlichem Schlüssel bei sich auf dem Rechner installieren.
In einem Tunnel werden die Daten dann verschlüsselt über das Internet geschickt.
Nur Port 80 ist offen, das heißt nur normale WEB Seiten (http) und verschlüsselte Webseiten (https) können aufgerufen werden.

Dahinter hat Volker noch eine sehr teure ‚Next Generation Firewall’ installiert, die sich jedes einzelne Datenpaket genau ansieht und Muster, welche sie nicht kennt, erst einmal nicht durchlässt.

Volker braucht so ein aufwendiges Equipment, um selbst testen zu können. Nur so kann er seine Kunden gut beraten.

Wie jeden Montag sieht er sich die Protokolle der Firewalls und vom Server an.

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, hat er sich für die Gutachterdaten seiner Firma einen komplett eigenen Server mit weiteren Firewalls angeschafft. Beide Server sind nicht miteinander verbunden. Selbst die Verbindung der Server zum Internet geht über verschiedene Leitungen und sogar über verschiedene Provider.

Volker verlässt den Serverraum. Es ist alles in Ordnung. Es gab keinen einzigen nicht autorisierten Serverzugriffsversuch.

In seinem Büro steht schon ein perfektes Latte Macchiato Glas mit einem besonders langen Löffel und einem Keks an der Seite.

Er liebt es, wenn alle Details stimmen.

Volker trinkt einen Schluck und schlägt sein Notebook auf. Es ist einfach viel praktischer, zuhause mit dem gleichen Rechner arbeiten zu können.

Er ist vorsichtig. Daten von Kunden sind auf dem Notebook nicht gespeichert. Zuhause greift das Notebook auf einen kleinen NAS-Server zu, der auch an den Fernseher und den Achtcard-Geräten angeschlossen ist.

Berufliche Daten speichert Volker auf einen kleinen Stick, der unauffällig in seinen Gürtel eingearbeitet ist. Wenn er überfallen würde, würde niemand an dem alten Gürtel Interesse zeigen.

Punkt 9.00 Uhr schellt das Telefon bei Gertrude.
„Also bitte, seien sie ein wenig höflicher“, sagt Gertrude entrüstet und hält den Hörer vom Ohr, weil der Kunde so laut schreit.

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6/11 Machtgespräche – Moyland, Fr, 8. August 2014

Volker fährt auf den Parkplatz von Schloss Moyland.

Antje ist mal wieder die Erste. Auf dem halbleeren Parkplatz fällt ihr gelber alter Peugeot mit dem niederländischen Kennzeichen direkt auf.

Die Autotür ist offen und Antje sonnt sich. Es ist ein schöner Tag. Sie lässt nicht erkennen, ob sie ihn bemerkt hat und sitzt mit geschlossenen Augen da.

So gibt sie ihm die Möglichkeit, die Prinzessin wach zu küssen. Was er dann auch ausgiebig tut.

Volker ist jetzt seit 18 Monaten mit Antje zusammen.

Antje ist 26 und studiert in Venlo auf Master, Schwerpunkt International Busi-ness Economics. Das Studium findet in Niederländisch, Deutsch und Englisch statt.

Oft unterhalten sie sich in Englisch, um beide in der Konservation besser zu werden. Heute tut er Antje den Gefallen und spricht Deutsch. Sie hat zwar schon immer ein wenig Deutsch gesprochen, aber in Englisch hat sie mehr Übung. In Deutsch muss sie noch besser werden.

Sie gehen in den Skulpturengarten des Schlosses. Auf die Beuys Ausstellung haben sie bei dem schönen Wetter keine Lust.

Sie gehen rechts am Schloss vorbei und setzen sich in dem kleinen eingezäunten Blumengarten auf eine Bank.
Antje erzählt ein wenig von ihrem Studium.

Es klappt gut mit ihnen. Die Wochenenden verbringen sie immer gemeinsam.

Mal sie in Nrheinstadt, mal er in Venlo. Die knapp 40 Minuten Autofahrt sind kein Hindernis.

„Heute war die vorläufige Patentrecherche in der Post. Es gibt wohl keine Patentverletzungen mit bestehenden Patenten.“, sagt Volker. Er hat bereits 2012 das Patent zum Thema „Verfahren zur Reduzierung der Abhörmöglichkeiten über das Internet“ angemeldet.

Der Anwalt war so angetan von dem Patentantrag, dass sie direkt beschlossen, eine europäische PCT Anmeldung zu machen.

Antje liebt an Volker seine Energie und seinen Mut. Volker Siemens ist erst 30 Jahre alt und trotzdem sicher, die Welt zu verändern.

Antje weiß, was jetzt kommen wird. Volker wird ihr wieder von seinem Patent erzählen. Dabei kennt sie seine Idee schon genau.
Volker sagt immer, der Urgedanke des Internets ist durch die Glasfaserkabel verloren gegangen. Glasfaserkabel übertragen heute 18 Tetrabit/s, also ein Vielfaches von den alten Datenkabeln und das über tausende Kilometer hinweg. Aber sie haben den entscheidenden Nachteil, dass auch Tausende von Informationen auf einmal sabotiert und auf einmal abgehört werden können.
Volker will einfach nicht glauben, dass dies der richtige Weg ist.

„Stell dir vor, ich würde zu dir nach Venlo über Dublin fahren, nur weil die Autobahn nach Dublin gerade frei ist. Das ist doch krank.“, hatte er ihr seine Idee erklärt. Laut seinem Patent werden erst Anfragen über die möglichen Datenwege in das Internet geschickt. Die möglichen Routen werden dann auf einer Karte dargestellt. Per Anklicken kann man entscheiden, welche Route die Daten oder sogar Telefonate nehmen sollen.

„Die Engländer sind besonders schlimm“, sagt Volker immer. Antje weiß, dass die Datenschutzgesetze in England Volker unheimlich ärgern, weil da ein Datenschutzgutachter wie er fast nichts ausrichten kann.
Aber Volker ist sich auch nicht sicher, ob es diesen Beruf in England überhaupt gibt.
Wenn Antje ihn lassen würde, würde Volker damit fortfahrten, Verschlüsselungsverfahren mit einem Masterschlüssel zu kritisieren.
Aber davon hat Antje noch immer nicht genug Ahnung, um das genau wieder-geben zu können.
Sie weiß nur, Volker hat viel Geld für die Weiterentwicklung seines Patents als Partner in einem EU-Projekt bekommen. Er soll einfach nicht so ungeduldig sein.

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6/11 Geheimdienstarbeit – Frankfurt, Mo, 6. Januar 2014

Um 9.00 Uhr steigt Ingo aus dem Aufzug im 18. Stock des Bürogebäudes an der Theodor-Heuss-Allee. Über die A648 hinweg hat man einen atemberaubenden unverbauten Blick über Frankfurt.

Ingo hat sich heute spaßeshalber eine Sonnenbrille aufgesetzt. Er liebt Agentenfilme. Es amüsiert ihn, dass die meisten Menschen, die er von hier oben nur als kleine Punkte erkennen kann, wohl genau diese Vorstellung von einem Agenten haben: ‚Einen schwarzen Anzug, wie er ihn trägt, einen schwarzen Aktenkoffer und eine Sonnenbrille.’ Nur die durch einen Colt ausgebeulte Hose hat er leider nicht zu bieten.

Was tatsächlich auf einen Geheimdienstmitarbeiter hinweisen würde, wäre sein falscher Pass, den er mit sich trägt, wenn er in Deutschland ist.

Ingo ist Informatiker und Beamter auf Lebenszeit – bei welchem Land tut hier nichts zur Sache.
Ingo ist nicht sein wirklicher Vorname, aber alle Informatiker in den sich ständig verändernden Teams, heißen bei den deutschen Treffen Ingo oder wenn sie weiblich sind Inga.
Jedes Team setzt sich zusammen aus einem Juristen, einem Psychologen und einem Informatiker. Bei den Psychologen heißen die Frauen Paula und die Männer Paul, bei den Juristen Jana und Jan.

Ingo geht zum Empfang: „Ist schon jemand da für das Projekt 567?“
„Einen Moment bitte“, sagt eine freundliche Dame. „Sie haben das Teambüro Zimmer 18261. Imbiss und Getränke sind bereitgestellt. Bitte gehen Sie den Gang entlang bis zur Tür, dann rechts der Beschilderung folgen“.

Ingo geht in das Mietbüro. Natürlich sind die drei Schreibtische in dem Büro noch unbesetzt.
‚Die halten sich wohl für was Besseres!’, denkt Ingo.

Er setzt sich und startet sein 19“ Tablet. Wenn man das Tablet aufschrauben würde, würde man feststellen, dass die Kamera durch einen Irisscanner ersetzt wurde, weder Mikrofon noch Lautsprecher angeschlossen sind, Bluetooth und W-LAN auch nicht funktionieren. Die gesamten Schnittstellen nach außen wie USB oder Monitorausgang sind innen nicht verdrahtet.
Allerdings ist das Tablet doppelt so dick wie übliche Tablets. Eingebaut sind gleich zwei Satellitentelefon- Empfänger, Iridium, um weltweit Telefonieren zu können und Inmarsat für das Internet.
Da das Telefonieren nur bedingt abhörsicher ist, werden Telefonate meist über eine VPN verschlüsselte Datenleitung via VOIP geführt. Das Telefonat wird also im öffentlichen Internet über Satellit in einem verschlüsselten Tunnel in ein-zelnen Datenpaketen direkt zu den Rechenzentren der Geheimdienste geschickt.

Ingo identifiziert sich, indem er sein Auge nah an den Irisscanner hält.

Ingo öffnet auf dem Tablet die Agenda für heute. Hinter jedem Tagespunkt ist ein Dossier verlinkt.
Er klickt auf die Akte ////-813-299 und liest darin.
‚Ah, Volker Siemens, ich erinnere mich, nein der Jan und der Paul waren eigentlich nicht arrogant.’

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6/11 Phantasialand – Brühl, Di, 24. September 2013

Morgens um 9.00 Uhr kommt Volker am Phantasialand an.
Er wurde zu den „Internet Security Days 2013“ eingeladen. Das Ticket mit einem Barecode konnte er sich im Internet ausdrucken. So muss er nicht Schlange stehen, sondern geht direkt durch die Eingangsschranke an einem Scanner vorbei in den Vergnügungsbereich.
Der Veranstalter muss Humor haben, wenn er so ein ernstes Thema an solch einen Ort legt. Volker geht durch den gesamten „Themenpark Berlin“ zu dem großen Konferenzcenter auf der anderen Seite.

Wie erwartet, geht es bei diesem Kongress um nüchterne Themen. Einerseits wird Angst gemacht vor Hackerangriffen, vor Malware, Botnetzen, DDOS-Attacken, Handies und Notebooks, die als Wanzen missbraucht werden und vielem mehr. Andererseits geht es um Hardware und Software, die vor Angriffen schützen sollen.

Wie immer ist Volker Siemens der Meinung, dass grundlegende Dinge nicht beachtet werden. Für ihn zieht sich wie ein roter Faden durch die Veranstal-tung, dass alle ursprünglichen Ideen von einem Internet, das auf möglichst vielen Servern verteilt und somit wenig störanfällig ist, ersetzt werden durch das genaue Gegenteil.
Mit der Argumentation, dass Glasfaserkabel teuer sind, wird der gesamte Internetverkehr gebündelt – und das sind nicht nur Internetseiten und die wenigen E-Mails, die es immer noch gibt, sondern auch Telefonate, Videos, zukünftig Fernsehen.
Ja sogar die Kommunikation zwischen Maschinen wird über nur wenige Kabel und über noch weniger Netzknoten geleitet.
Auch R-Faxe müssen diesen Weg nehmen. Dem FINDERS-Konsortium gehören die drei größten Knoten. Der größte Knoten weltweit liegt in Frankfurt.

In der Mittagspause sitzt Volker mit einigen netten Managern zusammen. Er freut sich über das leckere Essen – Popcorn im Salat ist eben Phantasialand ungewöhnlich – und hört lieber zu, als selbst zu erzählen.

Da bemerkt der eine: “Ja wir sind das weltweit größte Serverhousing Unternehmen.“
Der zweite zurück: „Sitzen sie auch in Frankfurt?“
„Ja klar, auf der Hanauer Straße. Kommen sie doch mal vorbei. Ich zeige ihnen alles.“
„Prima, mache ich. Wir kümmern uns nur noch um das Kerngeschäft. Serverschränke aufstellen. Da kann der Kunde seine Rechner reintun. Ja wir sind klein. Unser Rechenzentrum hat nur 30 qm.“
Der erste: „Wir wissen nicht, wie wir so schnell aufbauen sollen, wie wir wachsen können! Wir haben 20 Ausbaustufen für die nächsten 2 Jahre bereits geplant. In der Nachbarschaft werden wir alles aufkaufen müssen, um unsere Planung zu erfüllen. Wir machen nichts anderes als Infrastruktur hinstellen. Die Carrier planen virtuell, wie ihre Rechner verkabelt werden sollen. Das machen dann externe Dienstleister. Sicherheit wird bei uns groß geschrieben. Die vom BSI sind fast täglich bei uns und prüfen. Alleine kann keiner in die Räume, immer nur zu zweit. Was unsere Kunden mit ihren Rechnern machen, interessiert uns nicht…..“

Volker Siemens denkt: „Es mag ja sichergestellt sein, dass keiner alleine an die Rechner kommt, aber ist es nicht zuviel Zentralisierung, wenn immer mehr große Anbieter gemeinsam in Fußballfeld großen Rechenzentren zusammengefasst werden? Sind hier nicht Abhören und Angriffen Türen und Tore geöffnet?“

Nach dem Mittagessen kann er zwischen drei Vorträgen wählen.
Er bewundert die Vortragenden mit ihrem Spagat zwischen Angst machen und Beruhigen. Angst machen sie, damit der Leidensdruck zum Kaufen erhöht wird. Dann beruhigen sie: „Wir haben die sichere Lösung!“

Aber Volker hört genau hin, so sicher, wie die tun, sind die gar nicht.
In den Pausen kann man vor dem Kongresssaal Stände von Ausstellern besuchen und mit ihnen diskutieren.
Aus eigener Erfahrung weiß Volker, dass nur 4% der Unternehmen, die er für eine Beratung anspricht, überhaupt wissen, dass sie bereits seit Jahren abgehört werden.

In weiteren Vorträgen lernt er, dass im ‚Internet der Dinge’ nun Maschinen miteinander vernetzt werden. Insbesondere im Gesundheitsbereich muss das alles natürlich besonders sicher sein.
Jedes Auto hat heute ein kleines Netzwerk an Bord, welches über einen simplen USB-MP3-Chip so zu manipulieren ist, dass der Bordcomputer verrückt spielt. Der Tacho zeigt z.B. 180 km/h, obwohl das Auto langsam fährt. Das Lenkrad ruckelt, da der Wagen meint, sich im Einparkmodus zu befinden und schließlich geht auch noch der Motor aus.
Natürlich ist der Vortragende zuversichtlich, in Zukunft solche Angriffe zu verhindern.
Aber in Zukunft kommt die Vernetzung der Autos. Das ist viel sicherer, weil die Autos automatisch im Verkehr aufeinander Rücksicht nehmen werden. Natürlich können dann Autos nicht mehr nur über Updates in der Werkstatt, sondern auch direkt über das Internet angegriffen werden.

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